Design neuer Schiffsfonds

Es musste etwas Einzigartiges sein. Inspirierend und einleuchtend zugleich. Mr. Chattner klopfte rhythmisch mit seinem Kuli auf die Papierunterlage seines Tisches. Sein Blick glitt nachdenklich aus dem Fenster des großen Konferenzraums. Fast so, als könnte dort draußen die Antwort liegen. Das Klopfen seines Kugelschreibers klang wie der Taktzähler seiner eigenen Gedanken. Absolut gleichmäßig.

Gleichmäßig war auch die Ideenlosigkeit William Chattners. Und gleichermaßen enttäuscht war er auch von seinem Beraterstab. Wozu leistete man sich überhaupt so ein Gremium, wenn man noch nicht mal vernünftige Vorschläge für ein einfaches aber effektives Logo bekam? Chattners Geduld war langsam am Ende. Sollte es etwa am Logo hängen? Dabei war der Slogan doch schon sehr gut gewählt. “Für eine sichere Überfahrt ihres Kapitals in eine bessere Geldanlage.“ Besser ging’s doch eigentlich nicht für Schiffsfonds. Der Slogan war ein Wortspiel, implizierte Seriosität und Sicherheit. Nun musste nur noch ein Logo herbei, das diesem Label gut zu Angesicht stand. Chattner war schon lange im Geschäft. Und in Zeiten tendenzieller Marktübersättigung wusste Chattner um die Wichtigkeit eines guten Logos. Wiedererkennungswert war ein absolutes A und O im Stellungskrieg der Public Relations. Es musste doch also möglich sein, ein Logo zu ersinnen, das zum Produkt passte und nicht so abgedroschen wirkte wie der Anker von MPC Capital.

Doch es war wie verhext. Der Nebel, der am Fenster vorbeizog, schien sich auch in den Köpfen seines Beraterstabs festgesetzt zu haben. Bei einigen “Vorschlägen“ hätte er einige dieser Pappnasen gerne postwendend zurück an den Schreibtisch geschickt. Allerdings war er selber bislang auch zu ideenlos, um irgendwen zurechtstutzen zu können, ohne dass es allzu frustriert gewirkt hätte. Burgh, dieser Dilettant, hatte doch allen Ernstes eine Welle vorgeschlagen. Das würde dynamisch wirken. Was für ein Unsinn! Wellen waren unberechenbar und brachten Schiffe zum Kentern. Warum nicht gleich die sinkende Titanic oder eine schwarz weiße Totenkopf Flagge? Während Chattner dies wieder durch den Kopf ging, blickte er Burgh mit professioneller Geringschätzung an. Burgh versuchte, als er den Blick des Chefs bemerkte, jenes Gesicht aufzusetzen, das für gewöhnlich soviel aussagte wie: „Es liegt mir auf der Zunge!“ Doch Burgh misslang dies gründlich und sein Minenspiel erinnerte eher an Verstopfung.

Und die geistige Verstopfung nahm weiter ihren Lauf. Das Kollektiv eines Beraterstabs schien sich heute stillschweigend vorgenommen zu haben, absolut nutzlos zu sein. Zaghafte Vorschläge (ein Leuchtturm?) wurden gemacht und verworfen. Es musste doch ein Vorschlag realisierbar sein, der auf lange Sicht Erfolg haben würde. Und wie ihm dieser Gedanke kam, da fiel bei William Chattner der Groschen. Ein altertümliches Fernrohr! Das wäre doch das perfekte Motiv. Es verkörperte Weitsicht und Kontrolle, passte also wie hintern auf Eimer zum Slogan. Während Chattner zufrieden lächelnd aufstand und seinen verwirrten Beraterstab entließ, machte er sich ran, sich über die genaue Umsetzung Gedanken zu machen. Dafür brauchte er auch nicht die geballte Inkompetenz seines Beraterstabs.